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KN-Kolumne "Gott und die Welt": Und wo machen Sie ihr Kreuz?

18.05.2019

 

Nächsten Sonntag ist Wahltag und 500 Millionen europäische Bürger sind aufgefordert, mit ihrer Stimme über die Zusammensetzung des europäischen Parlaments zu entscheiden. Dabei haben wir die Qual der Wahl, denn der Wahlzettel ist einen Meter lang und listet 40 Parteien auf.

Als die Europäische Union in den 50er Jahren gegründet wurde, geschah dies auch in der Absicht, weitere Kriege zu vermeiden. Von nun an sollte das Verbindende im Vordergrund stehen. Die Idee war: Je stärker man zusammen arbeitet, desto kleiner wird das Risiko eines bewaffneten Konfliktes. Zugleich sah man in der Zusammenarbeit auch wirtschaftliche Vorteile.

Aus christlicher Sicht lässt sich die Europäische Union noch anders verstehen: So ist die EU auch das Ergebnis eines Versöhnungsprozesses, der aus so genannten „Erbfeinden“ Partner und Freunde gemacht hat. Eine so lange Friedenszeit hat es in der Geschichte unserer Region noch nie gegeben. Und dass ich zwischen 40 Parteien wählen darf, drückt für mich die Freiheit aus, die wir dadurch hier in Europa haben.

Wenn ich nächsten Sonntag wähle, frage ich mich vor allem eins: Welche politischen Überzeugungen und Maßnahmen fördern und bewahren Frieden und Verständigung und welche gefährden diese?

Denn das lerne ich von Jesus und den biblischen Erzählungen: Im Vordergrund steht der Mensch. Und die Achtung der Menschenwürde ist höher zu achten als die Rücksicht auf nationale und wirtschaftliche Interessen oder kurzfristige Wahlerfolge. Europa hat eine gemeinsame Verantwortung – auch für Menschen, die in unseren Ländern Schutz suchen vor Hunger, politischer Willkür, Verfolgung und Bürgerkrieg.

Erschienen am 18.5.2019 in den Kieler Nachrichten