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Gerechtigkeit, Gerechtigkeit - ihr sollst du nachjagen

04.01.2019

  • Gebetswoche für die Einheit der Christen 2019

 

...so lautet die Überschrift der Gebetswoche für die Einheit der Christen, die jedes Jahr von der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen vorbereitet und durchgeführt wird. Dieses Jahr waren es Christen aus Indonesien.

Den Abschluss der "Gebetswoche für die Einheit der Christen" ist ein ökumenischer Gottesdienst am 20. Januar um 16.00 Uhr im Ök. Zentrum Mettenhof, Skandinaviendamm 350. Herzliche Einladung dazu.

In dem Material zur Gebetswoche heißt es:

"Jedes Jahr versammeln sich Christinnen und Christen weltweit zum Gebet um wachsende Einheit. Wir tun dies in einer Welt, in der Korruption, Habgier und Ungerechtigkeit zu Ungleichheit und Spaltung führen. Wir beten einmütig in einer vielfach gebrochenen Welt, und dieses Gebet ist machtvoll. Allerdings machen wir uns als einzelne Gläubige und als Gemeinschaften oft mitschuldig an Ungerechtigkeit. Und doch sind wir gerufen, einmütig für die Gerechtigkeit Zeugnis abzulegen und Instrument der heilenden Gnade Christi für die gebrochene Welt zu sein.

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen 2019 wurde von Gläubigen aus Indonesien vorbereitet. Von den 265 Millionen Menschen dort werden 86 Prozent dem Islam zugerechnet, das Land hat damit die zahlenmäßig größte muslimische Bevölkerung weltweit. Etwa zehn Prozent der indonesischen Bevölkerung sind Christen, die verschiedenen Konfessionen angehören. Indonesien ist sowohl hinsichtlich der Bevölkerungszahl als auch der enormen geographischen Ausdehnung der größte Staat Südostasiens. Es hat über 17.000 Inseln, 1.340 unterschiedliche ethnische Gruppen und mehr als 740 Regionalsprachen und ist in dieser Vielfalt dennoch durch eine gemeinsame Landessprache, Bahasa-Indonesisch, geeint. Der Staat ruht auf dem Fundament von fünf Prinzipien, die "Pancasila"  genannt werden, und dem Motto Bhineka Tunggal Ika (Einheit in Vielfalt). Über alle Unterschiede der Volkszugehörigkeit, Sprache und Religion hinweg leben die Indonesier gemäß dem Prinzip gotong royong, d.h. eines Lebens in Solidarität und Kooperation. Das bedeutet, dass man alle Aspekte von Leben und Arbeit, Trauer und Freude miteinander teilt und alle Menschen Indonesiens als Brüder und Schwestern betrachtet.

Diese von jeher fragile Harmonie ist heute auf neue Weise bedroht. Das Wachstum der indonesischen Wirtschaft in den letzten Jahrzehnten beruht hauptsächlich auf einem vom Wettbewerb bestimmten System. Es steht damit im scharfen Gegensatz zur Kooperation im Sinne des gotong royong. Es gibt Korruption in vielen Formen. Sie vergiftet Politik und Wirtschaft, und das hat oft katastrophale Folgen für die Umwelt. Insbesondere untergräbt die Korruption die Gerechtigkeit und die Durchsetzung der Gesetze. Zu oft tun jene, die für Gerechtigkeit sorgen und die Schwachen schützen sollen, genau das Gegenteil. In der Folge wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer, und in diesem rohstoffreichen Land sind wir mit dem Skandal konfrontiert, dass viele Menschen in Armut leben. Mit einem traditionellen indonesischen Sprichwort gesagt: "In der Scheune voller Reis verhungert die Maus."

Gleichzeitig wird bestimmten ethnischen und religiösen Gruppen oft beson-derer Wohlstand zugeschrieben, was die Spannungen verschärft. Die Tendenz zur Radikalisierung, die eine Gruppe gegen die andere aufbringt, wächst und wird durch den Missbrauch sozialer Medi-en, in denen bestimmte Gruppen verteufelt werden, noch verschärft.

In diesem Umfeld werden sich die christlichen Kirchen aufs Neue ihrer Einheit bewusst, wenn sie sich zusammen für gemeinsame Anliegen und eine gemeinsame Reaktion auf ungerechte Verhältnis-se engagieren. Gleichzeitig müssen wir als Christen angesichts dieser Ungerechtigkeiten prüfen, in-wiefern wir selbst mitschuldig werden. Nur wenn wir auf Jesu Gebet "alle sollen eins sein" hören, können wir bezeugen, dass Einheit in Vielfalt möglich ist."

Mehr zur Geschichte und zum Anliegen dieser Gebetswoche gibt es hier.