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Auf dem Weg zu Frailty? Warum die Abnahme der Dackelbesitzer die Kosten für die Pflegeversicherung steigen lässt.

22.09.2016

 

Im Rahmen einer Fortbildung zu dem Thema „Umgang mit dem letzten Drittel des Lebens“, an der ich Ende September 2016 teilnahm, habe ich einen Vortrag über die Longitudinal Urban Cohort Ageing Study, kurz Lucas gehört. In einem Forschungsverbund beschäftigt man sich hier mit dem Thema „Gesundheit im Alter“.

Für diese Studie wurden seit dem Jahr 200D ursprünglich 3.300 selbstständig lebenden Menschen im Alter über 60 Jahre mit individueller Verlaufsbeobachtung von Gesundheitszustand, Lebensqualität, Mobilität, und Alltagsaktivitäten befragt.

Grundsätzlich lassen sich drei Lebensabschnitte ausmachen: Die Go-gos, die Slow-gos und die No-Gos. Während die Go-gos fit sind,  läuft bei den Slow-gos schon alles viel langsamer ab, da sie wackeliger auf den Beinen sind. Die No-Gos dagegen kommen ohne Hilfe oder Hilfsmittel nicht mehr vom Fleck. Sie haben eine Pflegestufe.

Dabei lassen sich einige Faktoren ausmachen, die Menschen länger fit bleiben lassen und in der Folge später zum No-Go werden lassen. Das fand ich spannend. Denn neben der genetischen Ausstattung und einer gesunden Ernährung, gibt es eine Reihe von Ressourcen, aber auch Risikofaktoren.

Die Fit-Reserven sind:

  • Regelmäßiges Radfahren (da es Kondition, Gleichgewichtssinn und Mulitasking erfordert und fördert)
  • Regelmäßige Spaziergänge (mind. 3x pro Woche). Hundebesitzer haben hier einen klaren Vorteil gegenüber Katzenbesitzern.
  • 1x pro Woche einen mäßig anstrengenden Sport und
  • 1x pro Woche einen stärker anstrengenden Sport
  • Ehrenamtliche Arbeit
  • Und die Nicht-Vermeidung von Tätigkeiten aus Angst vor einem Sturz.

Wer dagegen

  • unbeabsichtigt in den letzten 6 Monaten 5kg abgenommen hat
  • aus körperlichen Gründen seine Körperhaltung beim Gehen verändert (1 km zu Fuß)
  • keine zehn Treppenstufen mehr steigt
  • nicht länger in ein Auto, Zug oder Bus einsteigt
  • nur an maximal zwei Tagen pro Woche zu Fuß unterwegs ist oder
  • in den letzten 12 Monaten hingefallen ist

hat einige Risikofaktoren auf seiner Haben-Seite.

Spannend ist, dass die Anzahl der Ressourcen bedeutender ist als die Anzahl der Risiken. Denn die Ressourcen können die Risiken kompensieren. Dabei gilt, wer weniger Ressourcen aufweisen kann, bekommt früher eine Pflegestufe.

Was heißt das?

Es bedeutet erstens, dass Hundebesitzer und Radfahrer später Pflegefälle werden als andere. Daraus lässt sich folgern, dass die abnehmende Anzahl von Dackelbesitzern die Kosten für die Pflegeversicherung nach oben treibt.

Interessant fand ich zweitens, dass zwar Handlungsbedarf besteht, aber auch Handlungsmöglichkeiten vorhanden sind. Denn entgegen der Wahrnehmung in unserer Gesellschaft ist Alter nicht nur ein Verlust von etwas, sondern birgt auch Ressourcen. Diese gilt es zu erkennen und zu befördern. Dies gilt umso mehr, wenn man die demographische Entwicklung Deutschlands betrachtet. Wenn wir weder mehr Kinder bekommen noch mehr Flüchtlinge aufnehmen, sinkt die Einwohnerzahl der Deutschen weiter.

Drittens können Caring Communities, wie Kirchen welche sind, einen wichtigen Beitrag leisten: Wenn im Alter der Bewegungs-Radius und damit der bespielte Raum kleiner werden, heißt es gegenzusteuern, damit alte Menschen nicht zu Gefangenen in ihren eigenen vier Wänden werden. Für Kirchen könnte das heißen: Weniger Besuchsdienste und mehr Fahrdienste.

Mehr Informationen über diese Studie gibt es hier: www.albertinen.de/krankenhaeuser/geriatrische_klinik/leistungsspektrum/lucas